Ein unvergesslicher Abend im Museum

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Ein unvergesslicher Abend im Museum

Am Donnerstag fand die zweite Veranstaltung des „Freundeskreises Städtisches Museum“ in diesem Jahr statt. Der Vorstand hatte zu einer Lesung ins Museum eingeladen. Unter dem Titel: „Märchen für Erwachsene“ gestaltete der ehemalige Rektor der Sehusaschule, Wolfgang Kohrt aus Wolfshagen, einen unvergesslichen Abend. Die 1. Vorsitzende des Freundeskreises, Renata Jahns, drückte in ihrer Einführungsrede zuerst ihre Freude darüber aus, dass über 50 Besucher den Weg zur Veranstaltung gefunden hatten. Sie begrüßte dann den Vortragenden und dankte ihm, dass er sich zu der Lesung bereit erklärt habe. Anschließend sagte sie, dass Märchen für viele mit schönen Kindheitserinnerungen verbunden seien.

Trotz aller Anfeindungen, die es immer wieder wegen der Gewalt in vielen Volksmärchen gegeben hat, ist der Zauber der Märchen ungebrochen. Zudem kennt jeder die formelhaften Wendungen, wie: „Es war einmal…“, oder: „Wenn sie nicht gestorben sind…“.

Wolfgang Kohrt erklärte in seiner Vorrede das Wort: „Märchen“, das eine Verkleinerungsform des alten Wortes: „Mär“ ist, was so viel bedeutet wie: kleine,
unwirkliche Geschichte. Er berichtete über die Romantiker, die im 19. Jahrhundert begannen, die mündlich überlieferten Geschichten aufzuschreiben, und so eine Gegenbewegung zur rein mathematisch-mechanischen Sichtweise der Welt schufen.
Das erste Märchen, das Wolfgang Kohrt vorlas, war „Der Dichter“ von Hermann Hesse. In diesem Stück wird der lange und entbehrungsreiche Weg geschildert, den der chinesische Dichter Han Fook einschlagen muss, bis es ihm schließlich glückt, die Kunst zu beherrschen, „scheinbar nur das Einfache und Schlichte zu sagen, damit aber in des Zuhörers Seele zu wühlen, wie der Wind in einem Wasserspiegel“. Diese Kunst lernt er bei einem „Meister der Worte“, der ihm auch das Spielen der Laute beibringt. Ein kurzer Lebenslauf von Hermann Hesse schloss sich an.

Der Vortragende stellte dann klar, dass er heute keine Interpretationen der Märchen vornehmen werde. Jeder Zuhörer solle sich seine eigenen Gedanken über die jeweiligen Stücke machen.

„Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen war die zweite Geschichte, die den Besuchern vorgetragen wurde. Dieses Märchen über einen Kaiser, der sich von zwei Betrügern für viel Geld neue Gewänder weben lässt, die in Wirklichkeit gar nicht existieren, war den Gästen wohl bekannt. Gleichwohl freuten sie sich, dass es so gekonnt vorgelesen wurde.

Die Märchen wurden musikalisch von Werken Robert Schumanns umrahmt. Aus den Kinderszenen die Titel: „Der Dichter spricht“ und „Von fremden Ländern und Menschen“ sowie aus den Fantasiestücken der Titel: „Des Abends“.
Es folgte eine ausgedehnte Pause, in der intensive Gespräche zwischen den Zuhörern stattfanden und Apfelpunsch und Kekse gereicht wurden. Für die gesamte Organisation des Abends war übrigens Marianne Wadsack verantwortlich.
Der zweite Teil des Abends begann mit der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy und dem Stück: „Ohne Worte“ sowie einem Märchen von Oscar Wilde mit dem Titel: „Der eigensinnige Riese“. Darin verscheucht ein Riese spielende Kinder aus seinem Garten und errichtet eine Mauer um sein Anwesen. Dies führt dazu, dass dort ewiger Winter herrscht.

Erst als sich die Kinder durch eine Öffnung in der Mauer wieder Zutritt zu dem Garten verschaffen, erwacht die Natur zu neuem Leben. Der Riese erkennt jetzt den Grund für das Ausbleiben des Frühlings und ist fortan nicht mehr böse und zur Nächstenliebe fähig. Er hilft sogar einem sehr kleinen Jungen, den die anderen Kinder nicht kennen, auf einen Baum.

Der Riese reißt daraufhin die Mauer ein und die Kinder spielen wieder regelmäßig im Garten, nur der kleine Junge wird nicht mehr gesehen. Viele Jahre später erscheint er jedoch wieder. „Auf den Handflächen des Kindes waren die Male zweier Nägel, und Male zweier Nägel waren auf den kleinen Füßen“.

Der Riese ist erbost und möchte den Verursacher der Wunden erschlagen. Der Junge aber antwortet: „Dies sind die Wunden der Liebe“, und er lädt den inzwischen alten Riesen in seinen Garten ein, nämlich in das Paradies. Am nächsten Tage finden die spielenden Kinder den Riesen tot unter dem Baum.

Das letzte Stück hieß: „Thomas der Reimer“, ein altes schottisches Märchen. Thomas macht sich eines Tages auf den Weg und begegnet einer schönen Reiterin, der Königin des Feenlandes. Mit dieser zog er los, um ihr sieben Jahre zu dienen. Sie versprach ihm, wenn er ihr gehorche und nie ein Wort spreche, ins Land der Menschen zurückkehren zu können. So geschah es und Thomas bekam nach der Zeit eine verzauberte Frucht, einen Apfel, geschenkt. Wer davon isst, dessen Zunge kann nie eine Lüge aussprechen. Wieder unter Menschen kamen Worte ohne Zutun aus seinem Mund.

Es waren Prophezeiungen in Reimen, die alle in Erfüllung gingen. Diese Gabe
brachte Thomas viel Ruhm ein. Theodor Fontane hat aus dem Stoff dieses Märchens eine Ballade gedichtet, die von Johann Karl Gottfried Löwe vertont wurde. Die Gäste der Lesung hörten zum Schluss diese Ballade, gesungen von Hermann Prey. Renata Jahns dankte Wolfgang Kohrt, dass die Zuhörer für einen Abend wieder das Natürliche und das Übernatürliche als Ganzes erleben und in die Welt des Magischen und Mystischen eintauchen konnten.

Fähigkeiten

Gepostet am

Februar 20, 2015

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